Montag, 11. November 2013

Hugh Fearnley Whittingstall "Täglich vegetarisch"


Ja, man kann es schon an den vielen kleine bunten Zettelchen, die aus dem Buch ragen, erkennen: Diese Rezension wird kein Verriss.

Wobei ich zunächst doch einmal wettern muss: Hätte ich vorab nicht schon so viel Lobendes über dieses Kochbuch gelesen, wäre es allein wegen des Covers nicht in meinem Bücherschrank gelandet. Ich finde das Titelbild - wie soll ich es nur politisch korrekt ausdrücken? - albern. So albern, dass ich mir nach dem Kauf ernsthaft überlegt habe, es in Packpapier (oder meinetwegen auch Geschenkpapier) einzuwickeln, um mich nicht immer wieder darüber aufregen zu müssen. Ihr seht, ich habe mich dann entschieden, an meiner Tolerenzschwelle zu arbeiten...

Bis auf das Titelbild ist das visuelle Konzept meiner Meinung nach gelungen: Die ganzseitigen Foodphotos machen Appetit und lenken nicht durch ein Übermaß an Hintergrund und Deko vom Wesentlichen ab. Sie sind auch angenehm bodenständig und hemdsärmlig und vermitteln nicht den Eindruck, als hätte sich eine Horde von Foodstylisten stundenlang an jedem Photo selbst verwirklicht. Sehr gut gefallen mir auch die ergänzenden Illustrationen, die dem Ganzen etwas Spielerisch, Leichtes verleihen, was anscheinend (siehe Coverphoto) der Persönlichkeit des Autors nahekommt. 

Das Buch liegt schwer und griffig in der Hand- auch hier gibt es nichts mehr auszusetzen. Allerdings gibt es kein Lesebändchen, was wirklich ein Manko ist. Ergo:

Zwischenfazit Look & Feel: Prima - mit besagten Einschränkungen

Der Autor Hugh Fearnley Whittingstall ist ein mehrfach ausgezeichneter Food-Journalist und Buchautor aus Großbritannien, der einer breiten Öffentlichkeit durch seine eigene TV-Sendung bekannt ist. Er ist außerdem bekannt dafür, sich vehement für saisonale und ethisch hergestellt Lebensmittel einzusetzen. Das River Cottage ist sein Versuch, sich als ländlicher Selbstversorger zu etablieren - anscheinend ein geglückter Versuch, denn das River Cottage ist inzwischen zu einem größeren Unternehmen mit u.a. zwei Restaurants und einer Kochschule gewachsen. 

Sehr sympathisch ist mir seine Erläuterung, was ihn zu diesem Kochbuch motiviert hat. Er will kein Missionar sein - und ist es auch nicht - sondern möchte die Freude darüber weitergeben, wie abwechslungsreich und befreiend es sein kann, auf Fleisch (und Fisch) als dominanten Part auf dem Teller zu verzichten.

Jedes Rezept begleitet ein kurzer, persönlicher Text, in dem er das Besondere des Gerichts beschreibt oder aber weitere Variationen oder Verwendungsmöglichkeiten aufzeigt. Und das alles ist mit leichter, charmanter Feder geschrieben.

Zwischenfazit Tonality: Ansprechend

Die Gliederung ist nicht durchgängig logisch und intuitiv verständlich. Es beginnt mit "Ein Fest für den Gaumen" - das möchte man doch immer, oder? - wird dann aber mit den Kapiteln "Herzhafte Salate", "Roher Genuss", "Suppe satt", "Brot & Co.", "Aus dem Vorratsschrank", "Pasta, Reis & Co.", "Mezze & Tapas", "Gebraten & Gegrillt", "Beilagen", "Auf Vorrat" und "Vegetarisches zum Mitnehmen" einleuchtender. 

Sehr gut gefällt mir das Layout der Rezeptseiten, die Zutatenliste steht immer neben den Erläuterungen zur Zubereitung und vermittelt so einen kompakten Eindruck. Die Rezepte kommen in der Regel mit einer Seite aus, dabei sind die Erläuterungen in ausführlich, ohne ausufernd zu sein. Kleiner Wehrmutstropfen: Manchmal fehlen kleine, aber entscheidende Details, die dann leider zum Scheitern führen, wenn man nicht mitdenkt. So schlägt er eine sehr schöne Zucchini-Reis-Torte in einem Filoteig vor, versäumt es aber zu erwähnen, dass der Reis vorab gekocht sein sollte. Nehme ich jedenfalls an, denn mit rohen Reis funktioniert es nicht - das clubzimmer musste an dem Abend auswärts essen gehen .... 

Die Zutatenlisten erscheinen manchmal abschreckend lang, was aber oft einfach an der Vielzahl der Gewürze liegt, die er verwendet. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Gewürzschublade für viele Gerichte relativ gut ausgestattet sein sollte.

Und wie sind die Rezepte? Großartig! Der Autor kocht sich unbeschwert und vergnügt durch sämtliche kulinarischen Proveniencen, was schon beim Lesen großen Spaß macht. Ich habe ganz viel Neues entdeckt und kam mit dem Markieren nachkochenswerter Rezepte kaum hinterher. 
Dabei sind die Rezepte in der Regel unkompliziert und besitzen durch die Zusammenstellung von Zutaten und Gewürzen das gewisse Etwas. Oft werden noch Variationsmöglichkeiten erläutert, so dass das Buch eine Vielzahl mehr an Gerichten enthält, als man auf den ersten Blick denkt. 
Es geht Hugh Fearnley Whittingstall wirklich darum, die Freude am Kochen mit Gemüse zu vermitteln und es nicht sein Anliegen, die eigene Kochkompetenz herauszustellen. 

Zwischenfazit Rezepte: Eine wahre Fundgrube

Das macht "Täglich vegetarisch" zu einem Begleiter für eine gesunde und abwechslungsreiche Alltagsküche, mit der man sich quer durch das Gemüsebeet und durch aller Herren Länder kochen kann. So dass ich es nun - trotz Cover - nicht mehr missen mag!

Lieblingsrezepte

Chachuka
Ein nordafrikanischer Paprika-Tomaten-Eintopf, der durch die Zugabe von Safran, Kreuzkümmel und Paprikapulver herrlich aromatisch und einfach zu kochen ist. Mit Eiern und etwas Brot ein wunderbares, sättigendes Gericht.

Curry mit Mangold und neuen Kartoffeln
Eine ellenlange Zutatenliste, ganz einfach deshalb, weil hierfür das Curry selbst gemacht wird. Und hat man es erst einmal ausprobiert, ist es auch überhaupt nicht mehr kompliziert. Dann merkt man, dass es ein schnelles und ebenfalls richtig schmackiges Essen ist.

Ofengebackene Wurzel-Frittata
Eine echte Wow-Frittata, wenn man tatsächlich allerlei Zwiebeln, Karotten, Kürbis, Rote Bete, Kartoffeln und was es so im Herbst/Winter noch so gibt zusammen in den Ofen gibt. Diese Frittata schmeckt selbst denen, die um die herbstlichen Knollen sonst eher einen Bogen machen!

Mit dieser Rezension möchte ich beim Blogevent von Arthurs Tochter mitmachen:





"Täglich vegetarisch. Die schönsten Rezepte aus dem River Cottage" von Hugh Fearnley Whittingstall ist im AT Verlag erschienen und hat 415 Seiten 

1 Kommentar:

  1. hehe, als ich letztens im buchhandel war, habe ich auch gedacht "das cover ist sooo dämlich - das wird auf gar keinen fall gekauft", obwohl es mir mein vegetarischer kollege vorher ausdrücklich empfohlen hatte. habe mich dann für deutschland vegetarisch entschieden.. naja, wenns bald mal wieder etwas mehr in richtung ottolenghi geht (zumindest was die zutatenlisten betrifft ja eine ähnlichkeit), befasse ich mich vllt. nochmal mit der river cottage

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