Freitag, 14. März 2014

Pete Evans "Pizza" - eine tolle Wundertüte


Ein Buch über Pizza - ganz ehrlich, mehr als ein müdes Gähnen weckt das doch zunächst einmal nicht. Was soll es bei Pizza schon groß zu entdecken geben - verschiedene Beläge, nun gut, mal ausgerollt, mal eingerollt, fein, aber so what!

Angesichts des vorliegenden Buches muss ich diese Meinung revidieren. Sehr gründlich sogar. Denn Pete Evans schafft es auf Anhieb, mich in seinen Bann zu ziehen. Und das, obwohl er auf den ersten Blick nun wirklich kein ausgewiesener Pizza-Experte ist. Pete Evans ist nämlich ein australischer Koch und die kennen sich - so mein ausgeprägtes Vorurteil - hervorragend mit Fisch & Meeresfrüchten aus und kochen eine ausgezeichnete, leichthändige, asiatisch beeinflusste Küche. Stimmt alles auch bei Pete Evans, mit dem kleinen, aber entscheidenden "und". 

Pete Evans ist nämlich ein Pizzamaniac, wie er es in der Einleitung sehr sympathisch beschreibt. Seine Pizzaleidenschaft führte ihn dann dazu, dass er eine Pizzeria eröffnete, was an sich nicht der Nachricht wert ist, aber dann interessant wird, wenn man weiß, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits zwei preisgekrönte Lokale in Syndey führte. Auch seine Pizzeria räumte dann zahlreiche Preise ab und die Rezepte in diesem Buch lassen ahnen, welch Köstlichkeiten er dort serviert.

Der persönliche, angenehme Ton der Einleitung zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, jedes Rezept wird von einer kleinen Geschichte oder Anmerkung begleitet, so dass dieses Kochbuch weit mehr ist als eine eine Rezeptsammlung. Dabei sind aber immer die Pizzen die Stars - von ihm gibt es im ganzen 255 Seiten schweren Wälzer nur zwei Photos. 

Zwischenfazit Tonalität: Sehr angenehm

Ganz sicherlich trägt auch die Food-Fotographie von Brett Stevens einen entscheidenden Teil dazu bei, dass es ein richtiges Pizza- und kein Koch-Kochbuch geworden ist. Er versteht es, jedes Rezept spezifisch in Szene zu setzen und den geneigten Betrachter von einem "OH" zum nächsten "AH" zu verleiten. Schon das Cover zeigt zwei super leckere Pizzen, in die man am liebsten sofort reinbeissen möchte und ist meiner Meinung nach ein echtes Verkaufsargument. 

Das Buch ist schön dick und schwer und hochwertig aufgemacht, wie man es aus der Collection Rolf Heyne gewohnt ist. Einziges Manko: Es gibt kein Lesebändchen, obwohl man mindestens drei brauchen würde!

Zwischenfazit Look & Feel: Toll, mit klitzekleinen Abstrichen

Bereits die Kapitelübersicht lässt staunen: Neben den zu erwartenden Klassikern, den fleischigen und fischigen Pizzen gibt es Frühstücks-Pizzen, süße Pizzen, Publikumslieblinge, Gourmet-Pizzen und Meine Freunde-Pizzen. Darüberhinaus liefert er Grundrezepte für Pizzateig und Beläge - toll! Abgerundet wird es von einem ausführlichen Register.

Zwischenfazit Struktur: Macht neugierig

Jedes Rezept darf sich auf einer eigenen Seite ausbreiten, die Erklärungen sind ausführlich, aber nicht ausufernd und gut nachvollziehbar. 

Die Zutatenlisten sind auch für europäische Haushalte machbar und halten sich im alltäglichen Rahmen. 


In den Rezepten findet sich die Leichthändigkeit der australischen Küche wieder, die ganz selbstverständlich mit Produkten und Aromen jongliert. Puristisch kann man diese Rezepte nicht nennen, aber sie machen unendlicheLust auf Pizza! Bereits nach der ersten Durchsicht zählte die Nachkochliste mehrere dutzend Rezepte. Ich glaube, dass hier wirlich für jeden Geschmack etwas dabei ist und die eigene Phantasie durch die Rezepte zudem angeregt wird. Das Repertoire lotet dabei nicht nur alle möglichen Geschmacksrichtungen aus, sondern umfasst auch verschiedene Arten von Pizza - von der klassischen über frittierte Calzonen bis hin zu Deep Dish Pizzen. 

Zwischenfazit Rezepte: Atemberaubend

Wir haben zunächst relativ konventionelle Rezepte nachgebacken und waren nicht von allen wirklich begeistert. Das liegt aber vor allen Dingen an unserem Geschmack und nicht an den Rezepten. Das Kochbuch hat mich deshalb dennoch überzeugt und begeistert und in der nächsten Ausprobierstufe werde ich mir die ausgefalleneren Pizzen vornehmen, die keine ich so bislang noch nicht kenne. Für mich ist "Pizza" von Pete Evans bereits jetzt ein Standardwerk meiner Kochbuchsammlung!

Bereits nachgekocht

Pizza mit Tintenfisch und Zitrone
Ganz anders, ganz anspruchsvoll für den Gaumen, keine Pizza für müde Sinne!

Pizza mit Garnelen & Salsa Verde
Der große Aufwand in der Zubereitung schlägt sich nicht wirklich im Satisfactiongrad wieder

Pizza mit Pancetta & Feigen
Sehr fein, tolle Kombination verschiedener Geschmacksrichtungen

Pizza mit Erbsen & Ricotta Salata
Geschmacklich ebenfalls sensationell, allerdings so üppig, dass ich in die Knie gegangen bin

Pete Evans "Pizza", Collection Rolf Heyne
 



Kommentare:

  1. Wow, das ist aber eine richtig begeisterte Rezension. - Ich hatte das Buch schon mal kurz in der Hand und dann auch gedacht: was braucht es für Pizza so ein dickes Buch?! ;-)
    Aber nach deinen Rezepten diese Woche und der Begeisterung, die bei deiner Rezension rüberkommt, werde ich es mir nochmals genauer ansehen und vielleicht wandert es dann auch ganz schnell in mein Kochbuchregal. ;-)

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  2. Wie sieht's denn bei Evans mit den Pizzateigen aus - herrscht da auch Abwechslung, oder hat er ein Standardrezept, das er immer wieder benutzt? Ich habe gesehen, dass Du beim Nachbacken Dein eigenes verwendet hast.

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  3. Hallo Sabine! Pete Evans stellt verschiedene Pizzateige vor, die sich auch alle sehr schlüssig anhören. Nach dem Motto "never change a winning team" habe ich die noch nicht ausprobiert, werde das aber bei einigen Varianten wie z.B. einer Deep Dish Pizza garantiert mal wagen. Also auch in der Hinsicht ein lohnenswertes Buch!

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