Dienstag, 17. September 2013

Giorgio Locatelli, "Sizilien. Das Kochbuch" - zum Dahinschmelzen!

Seit seinem ersten Kochbuch "Made in Italy" aus dem Christian Verlag bin ich ein Fan von Giorgio Locatelli und zwar ein großer Fan!
Dementsprechend groß war meine Freude im letzten Jahr, als sein neues Buch über die Küche Siziliens erschien. Ausgerechnet Sizilien - die Insel, die man mit dem Vorsatz bereisen sollte, mindestens drei Kilogramm schwerer als zuvor die Insel wieder zu verlassen!



Giorgio Locatelli betreibt das "Locanda" in London und genießt in der Szene einen exellenten Ruf, was sich auch in dem Michelin-Stern ausdrückt, mit dem sich sein Restaurant schmücken darf.

Und er ist Norditaliener, was seine Begeisterung für die sizilianische Küche auf den ersten Blick nicht zwingend erklärt. Hat man bereits sein erstes Kochbuch gelesen, versteht man seinen Zugang besser: Auch hier geht es ihm um den Geschmack und die Güte der einzelnen Zutat und darum, die ihnen eigenen Aromen bestmöglich zur Geltung zu bringen. 

Und ja, auch "Sizilien" ist ein Lese-Kochbuch. Locatelli erzählt mitreißend und sehr persönlich, wie seine Begeisterung für Sizilien - und nicht nur seine Küche - entfacht wurde und welches Ausmaß sie angenommen hat. Der Leser erhält dabei auch Einblick auf den privaten Locatelli, seine Familie & Freunde, die er auf Sizilien gefunden hat. Wenn man mag, könnte man ihm nachreisen - das clubzimmer wird sich im April 2014 auf die Reise machen! 

Der persönliche Charakter dieses Buches wird durch die Photos von Lisa Linder unterstrichen, die einen guten Mix von Moodphotos und Photos von Locatelli und seinen sizilianischen Freunden gefunden hat. Sizilien & Locatelli kommen auf ihren Photos sehr authentisch und liebenswert rüber, die Food-Photos spiegeln das Prinzip der Einfachheit wider und machen auch ohne Hochglanz und Perfektionismus einfach Lust aufs Essen.

Natürlich erfährt man auch wieder viel über das Kochen. Wie bereits in seinem ersten Werk ist "Sizilien" voller Wissenswertem über die einzelnen Gerichte, Zubereitungsarten und Zutaten. Locatelli lässt seine Leser nicht nur an seiner Passion teilhaben, sondern vermittelt das Anliegen, sein eigenes Wissen weitergeben zu wollen. Also nicht nur ein Lese-Kochbuch, sondern sogar ein Lese-Lern-Kochbuch!

So fühlt man sich auch jederzeit gut gerüstet, die einzelnen Rezepte anzugehen. 

Die Rezepte sind untergliedert in Antipasti, Gemüse, Couscous & Suppe, Pasta, Fisch, Fleisch und Desserts und damit in einer für mich logischen Ordnung. Ein sehr ausführliches Register hilft zudem bei der Suche nach Rezepten.

Sie zeigen zum anderen die große Bandbreite der sizilianischen Küche und zum anderen ihre Charakteristik in Hinblick auf Zutaten, Gewürze und Zubereitungen. Sehr schnell fängt man an, Sizilien beim Lesen förmlich zu schmecken. Kleiner Wehmutstropfen: Nicht alle Zutaten sind immer überall erhältlich. Die meisten Rezepte beginnen mit einleitenden Erklärungen, die Erklärungen sind wie immer bei Locatelli ausführlich und genau. 

Locatelli ist für die Auswahl der Rezepte tief in die Eigenarten der sizianischen Küche eingetaucht und zeigt ihre Variationen. So findet man bei ihm nicht nur ein Caponata-Rezept, sondern mehrere für verschiedene Jahreszeiten (und damit einem jeweils spezifischen Angebot an saisonalem Gemüse) und kann in "Sizilien" neben den zu erwartenden Klassikern viel entdecken.

Selten habe ich bereits bei der ersten Durchsicht eines Kochbuchs so viele Merkzettel verteilt wie in "Sizilien". Dabei haben mich alle Kapitel (bis auf Fleisch & Dessert, aber das liegt nur an den Essensgewohnheiten im clubzimmer) gleichermaßen angesprochen und laut gerufen: "Koch mich"!

Eine Auswahl unserer Lieblings-Pastarezepten

Reginette alla Norma
Hier zeigt Locatelli mal wieder, welch großen Effekt ein kleines bisschen mehr an Aufwand haben kann. Unvergleichlich das Zusammenspiel der Aromen und Texturen, Pasta zum Schwärmen!

Pasta mit Garnelen und Pistazien
Never seen before - die Kombination von Pistazien und Garnelen klingt zwar zunächst merkwürdig, sieht aber großartig aus und erweist sich als ultimativer  Gaumen- und Seelenschmeichler!

Spaghetti mit Tintenfischtinte
Schön anzusehen ist dieses Pasta Gericht nicht wirklich - doch dafür schmeckt die Pasta mit frischem Tintenfisch, Tinte und Tomaten wunderbar ausgewogen und harmonisch!

Giorgio Locatelli "Sizilien, das Kochbuch", Christian Verlag, 424 Seiten



Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  2. Das Spaghettigericht ist schön anzusehen also schön schwarz & es schmeckt - v.a. für Tintenfischliebhaber groooßartig!
    Sire Sandwich

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  3. Lieber Sir Sandwich, da haben Sie wohl recht, es kommt immer auf den Standpunkt des Betrachters an!

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